Unser Verein
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Am 8. Februar 1894 wurde in Wolfenbüttel der „Stenographen-Verein Gabelsberger Wolfenbüttel“ gegründet. Sein erster Vorsitzender war der Gymnasiallehrer Professor Dr. Emil Clemens. In den ersten Jahren seines Bestehens waren die Bürokräfte gar nicht vertreten. Mitglieder waren in erster Linie Lehrer, Beamte, Geschäftsleute, Studenten, Schüler der Gymnasien. Eine alte Mitgliederliste von 1906 bezeugt dies.

Es gab neben unserem Verein in jener Zeit drei weitere namhafte Stenografenvereine (bis 12 Vereine gab es in Wolfenbüttel), die auch nach dem ersten Weltkrieg noch bestanden: Der Damen-Stengrafenverein – eine Zeit lang geführt vom Prokuristen Wilhelm Krake (Heckners Verlag); der Schülerstenografenverein in der Lehrerbildungsanstalt, u. a. geführt von Lehrer Hans Hopp; der Schülerstenografenverein am Gymnasium Rosenwall, geführt von Heinz Wessel und Gymnasiallehrer Milzer.

Im Rechenschaftsbericht vom 8. Febr. 1918 wurde vermerkt: Der Verein arbeitete Hand in Hand mit dem Damenverein zusammen. Selbst die fünf Vorstandssitzungen wurde gemeinsam abgehalten. Geübt wurde in vier Abteilungen ebenfalls gemeinsam mit dem Damenverein.

Zuerst war der Verein Mitglied im Braunschweig-Hann.-Stenografenverband (System Gabelsberger)und damit auch Mitglied im Deutschen Stenografenbund Gabelsberger. 1913 bestand auch die Mitgliedschaft im Internationalen Stenografenverband „Gabelsberger“. 1933 durfte auf Erlass der Reichsregierung nur noch die Einheitskurzschrift (Deutsche Kurzschrift) gelehrt werden. Alle Vereine, die ein anderes System verbreiteten, wurden aufgelöst oder „gleichgeschaltet“. Der Deutsche Stenografenbund wurde umbenannt in „Deutsche Stenografenschaft und in Gaue und Kreise untergliedert, die Vereine wurden „Ortsgruppen“. Damit bestand für uns die Mitgliedschaft in der Deutschen Stenografenschaft Gaugebiet SüdhannoverBraunschweig. Am 6. April 1943 wurde die Stenografenschaft mit allen Untergliederungen stillgelegt. Spätestens hier bestand der 1894 gegründete Verein nicht mehr. In dieser Zeit gab es auch enorme Schwierigkeiten. Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) war zuständig für die Berufserziehung (Erwachsenenbildung). Sie wollte nun auch überall die Ausbildung für Kurzschrift und das Maschinenschreiben übernehmen und machte in allen Bereichen den Ortsgruppen das Leben schwer.

Acht Personen gründeten am 10. November 1946 den Stenografenverein Wolfenbüttel erneut. Mitbegründer waren u. a. Max Förster, Karl Fasterling, August Rosenberg, Rudolf Eggeling und Lehrer Lindemann. Nach der Wiedergründung 1946 wurden wir Mitglied im Bezirk Braunschweig - Nordwestdeutscher/Norddeutscher Stenografenverband – Deutscher Stenografenbund. Im Jahre 1999 fusionierten die Bezirke Göttingen, Hannover und Braunschweig zum Bezirk Südniedersachen. Die konstituierende Sitzung fand am 13. November in Hildesheim statt. Nach der Auflösung der Bezirke am 25. Oktober 2004 in Einbeck sind wir jetzt in der Region Süd beheimatet.

Unterlagen über unseren Verein sind nur sehr spärlich vorhanden. Gleich nach seiner Gründung genoss der Verein im Stenografenverband Gabelsberger hohes Ansehen. Von 1895 bis 1900 war er Vorort im Verband. Damit wurden die Geschicke des Gabelsberger Bundes durch Professer Dr. Emil Clemens von Wolfenbüttel aus geleitet.

Neben der Durchführung von Kursen in Stenografie bestanden auch noch andere Aktivitäten. So hatte der Verein eine Theatergruppe, die regelmäßig Aufführungen anbot. Es bestand ebenfalls eine Wandergruppe. Neben den Wanderungen wurden auch Radtouren unternommen.Und der Verein hatte eine Bücherei. Der Bestand betrug im Jahre 1913 (?) 344 Bände; davon wurden 64 Bücher entliehen. Diese gab es auch noch nach der Wiedergründung. Großen Anklang fanden auch die Weihnachtsfeiern. Bis zu 100 Teilnehmer waren anwesend, um bei Kaffee und Zuckerkuchen den Darbietungen zu lauschen. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten (bis auf den Zuckerkuchen). In guter Erinnerung sind auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die zünftigen Hüttenabende im Harz im Landschulheim Sonnenberg. Heute gibt es Kegelabende, Grillfeten bei unseren Mitgliedern und Wanderungen in der näheren Umgebung.

Wurde früher nur Stenografieunterricht angeboten, so entschloss man sich, nun auch Unterricht im Maschinenschreiben (ca. 1952) zu erteilen. Begonnen hat es mit den kleinen Kofferschreibmaschinen, die vor jedem Unterricht aus den Schränken geholt werden mussten. Später kamen dann größere mechanische Büroschreibmaschinen hinzu und zuletzt elektrische Maschinen. Das Herausstellen und Einräumen blieb uns auch hier nicht erspart. Für die kleineren Teilnehmer gab es Sitzkissen aus Pappe, die Heckners Verlag lieferte.

Im Jahre 1917 musste wegen Kohlenmangels die Unterrichtstätte Städtische Realschule aufgegeben werde. Man zog in die 2. Bürgerschule in der Karlstraße, Unterrichtstätte nach 1946 war die Mittelschule (später Realschule) in der Harzstraße. Nachdem diese aufgelöst wurde, war unser Domizil zunächst die Grundschule Karlstraße (1980) und dann die Grund- und Hauptschule Wallstraße. Nach dem Umbau der Realschule in der Harzstraße zum Bildungszentrum des Landkreises Wolfenbüttel (Volkshochschule) kehrten wir wieder dorthin zurück. Im Jahr 1975 begann die Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule Wolfenbüttel. Die KVHS übernahm die administrativen Aufgaben und unser Verein stellte die Unterrichtsleiter. Dieses Modell bestand bis 1998. Heute unterrichten wir nur noch Kurzschrift in einer Übungsgruppe innerhalb der KVHS.

In den Jahren seines Bestehens wurden innerhalb des Vereins gute Leistungen in Kurzschrift und im Maschinenschreiben erreicht. Auch in den erst in der jüngeren Vergangenheit neu entstandenen Wettbewerben im Computerschreiben warteten wir mit guten Ergebnissen auf. Wie aus den Siegerlisten hervorgeht, wurde bis zu 300 Silben (steigend) und 260 Silben (gleichbleibend) stenografiert. Im Tastschreiben (mech. und elektrischen Maschinen und Computer) wurden 500 und mehr Anschläge erreicht. Unsere Mitglieder waren auf allen bedeutenden Wettschreiben vertreten, die innerhalb unserer Organisation angeboten wurden. Zu nennen sind da die Deutschen Stenografentage, die Deutschen und Norddeutschen Meisterschaften, die Bezirksmeisterschaften, die Norddeutschen Stenografentage, der Städte-Vierkampf, das Bundesjugendschreiben und das Bundespokalschreiben sowie die Seniorenmeisterschaften. Früher wie heute bestreiten die Teilnehmer die anfallenden Kosten zum größten Teil aus ihrer eigenen Tasche. 1910 erhielten die Teilnehmer am Stenografentag in Stuttgart – wenn sie einen halben Preis gewonnen hatten – die Hälfte der Fahrtkosten nach Hause erstattet.

Seit seiner Gründung bis heute haben sich immer Frauen und Männer gefunden, um die ehrenamtliche Arbeit im Verein zu bewältigen. Es würde den Rahmen dieser kleinen Übersicht sprengen, alle Verdienste aufzuzählen. Aus heutiger Sicht sind das Wirken von Friedrich Köhlert, Karl Fasterling und August Rosenberg beispielhaft für alle anderen. Nicht zu vergessen sind auch die Unterrichtsleiter, die mit großem Einsatz zum Wohle des Vereins gewirkt haben und noch wirken.

Hartmut Helwig
1. Vorsitzender


Quellenangaben:
Vereinsnachrichten StV Wolfenbüttel 1994 u. a.
100 Jahre Kurzschrift in Braunschweig
Geschichte der Kurzschrift, Dr. Mentz – Dr. Haeger
Festschrift Verbandstag 1954 in Wolfenbüttel
Nordwestdeutscher Stenografenverband

Stand: 1. Januar 2014


 


Am 25. Juni 2010 hieß es für immer Abschied nehmen von unserem Ehrenvorsitzenden August Rosenberg. Nach langer, schwerer Krankheit war er am 17. Juni 2010 im Krankenhaus verstorben. Viele Stenografinnen und Stenografen aus unserem und aus befreundeten Vereinen ließen es sich nicht nehmen, unserem Ehrenvorsitzenden die letzte Ehre zu erweisen.

Die Schrammelmusik und die Kurzschrift waren die Hobbys, die August Rosenberg in seinem Leben immer gepflegt hat. Mit viel Tatkraft und Umsicht hat er viele Jahre den Verein geführt und war bis zu seinem Tode immer aktiv mit seinen Stenografen verbunden. Wegen seines außerordentlichen Einsatzes und seines großen Fachwissens war er auch außerhalb unseres Vereins ein gern gesehener Mitarbeiter. Er hat in vielen Prüfungsausschüssen in unserer Organisation und bei der IHK Braunschweig mitgearbeitet. Für seinen Einsatz und für seine besonderen Verdienste wurde August Rosenberg mit dem Goldenen Treueabzeichen des Deutschen Stenografenbundes und der Ehrenplakette der IHK ausgezeichnet.

Für seinen vorbildlichen Einsatz in unserem Stenografenverein wollen wir noch einmal ganz besonders danken. Sein Wirken wird für uns immer ein Vorbild sein. Seiner Familie gilt unser ganzes Mitgefühl.

Hartmut Helwig
1. Vorsitzender




Ehrenvorsitzender August Rosenberg
geb. 23.11.1918, gest. 17. Juni 2010




Am Morgen des 15. März 2013 ist Hans-Friedrich Jäger im Alter von 84 Jahren gestorben. Die Kurzschrift und das Maschinenschreiben waren sein Lebensinhalt. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst war er als Fachlehrer bei den Berufsbildenden Schulen des Landkreises Wolfenbüttel tätig. Er hat im Laufe der Jahre viele Tätigkeiten in unserer Organisation ausgeübt. Viele Jahre war Hans-Friedrich Jäger Mitglied im Stenografenverein Braunschweig und danach im Verein Wolfenbüttel. Als Leiter des Bezirkes Braunschweig hatte er maßgeblichen Anteil an der Durchführung der Seminare für Unter­richtsleiter. Darüber hinaus war er als Dozent an der Akademie in Neumünster tätig. Für die IHK Braunschweig war er in vielen Prüfungsaus­schüssen vertreten. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seine Aktivitäten stark einschränken.

Durch sein ruhiges und ausgeglichenes Wesen verbunden mit seinem fundierten Wissen war er in unserer Stenografenfamilie sehr beliebt. Hans-Friedrich Jäger war ein gern gesehener Gast bei unse­ren Veranstaltungen. Mit seiner Familie trauern wir um einen beliebten Menschen und guten Freund.

Hartmut Helwig
1. Vorsitzender



Am 19. April 2016 ist unser langjähriges Mitglied Hannelore Peldszus im Alter von 80 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Über 60 Jahre hat sie dem Verein die Treue gehalten und hat sich in dieser langen Zeit immer aktiv für die Belange und Ziele unseres Stenografenvereins eingesetzt. Von 1956 bis 1964 war Hannelore Peldszus als Unterrichtsleiterin für Maschinenschreiben für uns tätig. Seit 1971 hat sie nach Bedarf immer wieder Unterricht erteilt. 18 Jahre war sie Beisitzerin im Vorstand unseres Vereins.

Mit Hannelore Peldszus haben wir ein treues und engagiertes Mitglied verloren. Ihr Wirken wird uns in guter Erinnerung bleiben. Ihrer Familie gilt unser Mitgefühl.

Hartmut Helwig
1. Vorsitzender